Unser Hochtouren-Übungsleiter Samuel Felder war vor ein paar Wochen mal wieder mit einer Gruppe von Bergsteig-Motivierten auf dem Dachstein. Als eine der ersten Touren nach dem Corona-Winter, war das diesmal ein etwas anderes Erlebnis als sonst. Hier berichtet er von seinen Erfahrungen.

Die Dachsteinüberschreitung ist eigentlich ein Klassiker und braucht normalerweise für mich nicht viel Vorbereitungszeit. Doch dieses Jahr ist alles anders, Anfang Mai sieht es so aus, dass wir im Sommer wieder Touren anbieten dürfen. Also fange ich an zu planen und Hütten anzufragen, immer im Hinterkopf, dass es morgen auch wieder anders sein kann. Ein Gefühl, das meine Motivation nicht besonders steigert. Die Vorbesprechung zur Tour muss auch online stattfinden, wobei besonders diese für mich extrem wichtig ist, um die Gruppe einzuschätzen und gegebenenfalls nochmal den Ablauf der Tour zu verändern. Dieses Jahr bleibt nur ein Zoomcall, auch das motiviert mich nicht besonders. 

Dann ist es soweit, wir treffen uns am Vorderen Gosausee, den Großteil der Gruppe sehe ich hier zum ersten Mal. Drei Brüder sind auch dabei. Ich gehe freudig auf die drei Männer zu, wir begrüßen uns und mir wird schnell klar, dass die Tour nicht von Corona überschattet sein wird. Das ist für mich der erste Moment, indem ich richtige Freude verspüre und mich auf die Tour freue. Also starten wir gegen Mittag den Aufstieg Richtung Adamek Hütte: Da wir gut in der Zeit liegen, genehmigen wir uns eine kleine Pause am hinteren Gosausee. Jetzt haben wir Zeit in der Gruppe zu reden. Natürlich fällt das Gespräch auf Corona, aber schnell entwickelt sich ein Gespräch darüber, wie wir alle mit der Situation umgegangen sind oder umgehen. Gedanken werden ausgetauscht, es wird gelacht, die Sonne scheint, die Stimmung ist ausgelassen. Nach 30 Minuten machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Adamek. Nach 2,5 Stunden erreichen wir diese und belohnen uns mit einer großen Jause, die die drei Brüder freundlicherweise mitgeschleppt haben. (Es soll sich im Laufe der Tour herausstellen, dass wir so viel Jause mithaben, um mindestens einen Monat am Berg ausharren könnten.) Es folgt das Abendessen und ein paar Runden schnapsen. 

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 5.45, es wird noch nicht viel geredet, alle gehen ihrer Morgenroutine nach, frühstücken und machen sich langsam fertig. Um 6.45 starten wir zum Gipfel, eine Stunde später stehen wir auf Schnee und ziehen unsere Steigeisen an. Für drei von uns ist es das erste Mal auf Steigeisen, für vier das erste Mal auf einem Gletscher. Der Aufstieg erfolgt bei bestem Wetter und die Gruppe kann ein sehr schnelles Tempo halten, sodass wir deutlich früher als geplant über den Westgrat zum Gipfel aufsteigen. Am Gipfel angekommen, gibt es die nächste Jause sowie ein paar Fotos. Da das Wetter nicht zum Verweilen einlädt, machen wir uns an den Abstieg Richtung Hallstätter Gletscher. Diesen erreichen wir gegen 11.30 und nutzen die Zeit für ein Mittagessen auf der neuen Seethalerhütte. Beim Abstieg zu Simonyhütte führt einer der Teilnehmenden die Seilschaft an, ich gehe am Ende der Seilschaft, damit wir die Seilschaft im Zweifel einfach umdrehen können und ich führen könnte. Dazu kommt es glücklicherweise nicht. Der Abstieg über Schnee und Eis geht soweit, dass wir nur noch 20 min über den schneefreien Weg gehen müssen um bei der Hütte anzukommen. So viel Schnee habe ich in den letzten Jahren am Dachstein noch nie gesehen. 

Nach einer kurzen Pause steigen wir zum Eissee ab und gehen baden. Auf der Hütte will man es uns erst nicht so recht glauben – aber dafür haben wir es auch nicht gemacht. Für mich stellt das Baden einen herrlichen Abschluss da. Es folgt das Abendessen, schnapsen und der Abstieg am nächsten Tag nach Hallstatt. 

Was ich aus der Tour für mich persönlich mitnehme? Es ist im ersten Moment sehr seltsam auf „fremde“ Menschen zuzugehen, aber nach den letzten 1,5 Jahren ist es mehr als notwendig wieder ein gewisses Maß an Normalität zu erreichen. Ich hoffe und wünsche euch allen einen normalen Sommer. 

Samuel