Geschichte
Artikel von Gerhard Fechter, Vorsitzender der Akademischen Sektion Wien
120 Jahre ASW
Teil 1 & 2
Anlässlich der Vorbereitung meines Festvortrages zum Thema „120 Jahre ASW” im Rahmen des Stiftungsfestes habe ich mich eingehend in die „FESTSCHRIFT – 100 Jahre Akad. Sektion Wien” vertieft, die im Mai 1988 herausgegeben wurde. Bei dieser intensiven Beschäftigung mit unserer Vereinsgeschichte habe ich sehr viel Erstaunliches und Bewundernswertes erfahren. Ich verdanke nun meine Kenntnisse den sehr informativen und wunderbar dargestellten Beiträgen dieser Sonderausgabe der Sektionsmitteilungen, die auch Grundlage für den folgenden Beitrag sind und aus denen ich zum Teil kreuz und quer abgeschrieben habe. Insbesondere habe ich mich dabei gestützt auf die Beiträge von Dr. Friedl Schröckenfuchs, Mag. Hildegund Frank, Dipl.Ing. Hans Tatzl und Dr. Gottfried Hassfurther. Ihnen allen bin ich zu Dank verpflichtet.
Dieser Artikel ist ein Versuch, nicht nur die Vereinsgeschichte in groben Zügen darzustellen, sondern auch gleichzeitig damit die Beweggründe aufzuzeigen, die Menschen bewogen haben, bei diesem Bergsteigerverein dabei zu sein oder gar in idealistischer Weise beim Sektionsgeschehen mitzuarbeiten.
Es geht mir aber auch um die Zusammenhänge und Hintergründe, warum sich das Vereinsleben und die Bedeutung der Zugehörigkeit zur Sektion im Verlauf der vergangenen 120 Jahre so drastisch verändert haben.
Da war also zunächst die „Gründungszeit”. Mit der Gründung des Österr. Alpenvereins 1862 in den Räumen der Akadamie der Wissenschaften in Wien haben sich immer mehr Menschen für seine Ziele, die Alpen zu erforschen und zu erschließen, begeistern lassen. So auch der Professor für Geographie an der Wiener Universität Dr. Albrecht Penck, der deshalb mit seinen Studenten immer wieder Exkursionen in die nahegelegenen Alpengebiete unternahm. Damit weckte er unter seinen begeisterten Schülern den Wunsch nach Gründung einer Vereinigung Gleichgesinnter , um so weitere Kreise unter den Studierenden für die alpine Sache gewinnen zu können”(Jahresbericht v.11.1.1889). Das Ziel war die Gründung einer eigenen AV-Sektion auf akademischem Boden..
Dem Bemühen von Univ. Professor Penck war es schließlich nach langen Verhandlungen zu verdanken, dass der Zentralausschuss des Deutschen u. Österreichischen Alpenvereins der Gründung einer zweiten Sektion in Wien neben der seit 1874 existierenden Sektion Austria zustimmte. Am 7. Dez 1887 wurde dann diese Sektion mit besonderem Status gegründet, bei der die Mitgliedschaft auf die Zeit des Studiums beschränkt war. Eine reine Studentenvereinigung also, die in ihren Gepflogenheiten auch sehr viel Gemeinsames mit denen von Studentenverbindungen hatte. Nach Beendigung des Studiums war der Austritt vorgesehen und man wurde dann eben ein „Alter Herr”. Diese der Sektion angeschlossene Gruppierung hatte nur beratende Stimme, aber sicher großen Einfluss, hing doch das Gedeihen der Sektion nicht nur von ihrem Rat sondern auch von ihrer ideellen und materiellen Hilfe ab. Diese war bei den ehrgeizigen Plänen und Aktivitäten der jungen Sektion auch von Nöten.
Neben dem Grundgedanken , die „Erschließung der Alpen” voranzutreiben sollte auch die „touristische Gewandtheit und Fähigkeit der einzelnen Mitglieder” gefördert werden. Dazu dienten gemeinsame Wanderungen, Kletterkurse, Bergfahrten ins Hochgebirge und sogar in ferne Gebirge wie Kaukasus, Pamir, Hindukusch usw. Was faszinierte die Studenten von damals so sehr am neuen Alpinismus? Es war nicht nur die Schönheit der Bergwelt an sich oder das Erleben von Natur- und Heimatverbundenheit. Bergsteigen entsprach ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestätigung. Klettern wurde zum Symbol der Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen.
Aber wer die Alpen erschließen will, der muss auch Hütten und Wege bauen! Und so wurde bereits zwei Jahre nach der Gründung eine Baukasse eingerichtet und drei Jahre später der Beschluss zum Bau einer Hütte in den Dolomiten gefasst. Nach nur einjähriger Bauzeit konnte 1894 – sieben Jahre nach Gründung der Sektion – unsere erste Hütte am Fuße des Langkofels eröffnet. Das Grödental wurde somit zum zentralen Gebiet der bergsteigerischen Aktivitäten der ASW. St. Ulrich wurde zum sommerlichen Treffpunkt für viele Sektionsmitglieder, so dass sogar die Postanschrift während der Ferien dorthin verlegt wurde. Selbst die Lawinenkatastrophe im Jahre 1901, die die Hütte vollkommen zerstört hatte, konnte den Tatendrang und Idealismus der kleinen, von Studenten geleiteten Sektion nicht eindämmen. Bereits zwei Jahre später wurde die neue Langkofelhütte an einem neuen Platz wieder eröffnet und wegen des großen Besucherzustroms im Jahre 1909 noch mit einem Zubau versehen.
Allein die „Baugeschichte” der Langkofelhütte lässt uns entweder bewundernd staunen oder es werden, wenn man daran nur heutige Maßstäbe anlegt, dieser Einsatzwille und die Begeisterung unverständlich bleiben. Es sind dabei weniger die finanziellen Aufwendungen, schließlich waren Studenten zu dieser Zeit meist aus „gutem Haus” und die Alten Herren werden beruflich und gesellschaftlich wohl auch gut positioniert gewesen sein, viel mehr sind es die äußeren Gegebenheiten, unter denen dies alles erbracht wurden. Diese wären heute nahezu ein Ausschließungsgrund für jegliche idealistische Tätigkeit. Da war zunächst die lange Anreise von Wien (dafür hat man damals vermutlich zwei bis drei Tage gebraucht), dann die Planung und Durchführung der Bauarbeiten vor Ort und nicht zuletzt die Kontrolle der Bewirtschaftung vom fernen Wien aus. Was hat also diese kleine Sektion mit etwa 200 Mitgliedern zu solchen Leistungen . bewogen?
Es war einerseits der Geist des Nationalismus, der den Alpinismus zu einer Sache edlen Deutschtums hochstilisierte, andererseits war es das Ideal, dem eigenen Volk zu dienen. So heißt es z.B.in der Festrede zum 10-jährigen Bestand der Sektion, wie man den Mitteilungen, Juni1898 entnehmen kann: “Ideales Tun und Denken war von je der deutschen Studentenschaft eigen.” , und weiters werden alle Mitglieder aufgerufen, „im Dienste unseres Volkes treu zu arbeiten…” Die Erschließung der Dolomiten rund um das Grödental und die zahlreichen Erstbegehungen in den Ostalpen durch Sektionsmitglieder waren Pioniertaten die auch in diesem Sinne durchgeführt wurden. Es ist nicht Gegenstand meiner Ausführungen über den Zeitgeist und seine politischen Auswirkungen ein Urteil zu fällen, aber offensichtlich waren viele Menschen im positiven Sinne davon ergriffen und bereit idealistisch in diesem Sinne zu handeln.
Aber es war natürlich nicht nur die Erfüllung dieser Ideale, die der Akad. Sektion im Laufe der Jahre einen reichlichen Zuwachs an Mitgliedern bescherte. Dazu verhalf sicher auch der neue Sport des „Schneeschuhlaufens”, der von der Jugend mit Begeisterung angenommen wurde und somit auch viele gemeinsame Unternehmungen im Winter ermöglichte. Das große Interesse daran führte sogar zur Gründung einer eigenen „Wintersportvereinigung” innerhalb der Sektion. Die auch Schikurse und sportliche Wettbewerbe durchführte.
Vor allem aber dürfte das „Vereinsleben” so attraktiv gewesen sein, dass es viele Menschen an die Sektion heranbrachte. Man wollte echtes Studentenleben mit Frohsinn und Freundschaft verbinden. Neben den monatlichen Vortragsabenden und den wöchentlichen Zusammenkünften im Sektionsheim gab es daher auch fröhliche Studentenkneipen. Um auch Familie und Freunde in das Sektionsleben mit einzubinden, entstanden h fixe Veranstaltungen wie der monatliche Tivoliabend, die Maifahrt in die Wachau und seit 1898 das jährliche Martinigansl-Essen. Im Fasching wurde dann das beliebte „ASW-Kränzchen” veranstaltet, das die Vereinskasse immer gut füllte.. In den Mitteilungen der Gründungsjahre wird auch die große Beteiligung von Frauen an dem gesellschaftlichen Programm hervorgehoben, was dazu führte, dass in dem ursprünglich reinen „Männerverein” seit der Jahrhundertwende auch beherzte Studentinnen in die Aktivitas aufgenommen wurden, die auch erstaunliche alpine Leistungen erbrachten. Insgesamt waren also die Aktivitäten der Sektion getragen von Idealismus, Pioniergeist und Lebensfreude von jungen Menschen! Doch auch dieses blühende Sektionsleben wurde mit dem ersten Weltkrieg ausgelöscht und kehrte so nicht wieder!
Die Katastrophe des 1.Weltkrieges mit ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen brachte auch in der Geschichte der Akad. Sektion eine deutliche Zäsur mit sich. Abgesehen davon, dass während der Kriegsjahre 1914-18 das Sektionsleben nahezu zum Erliegen kam, waren nach dem Krieg von den 475 Mitgliedern des Jahres 1914 nur mehr 167 am Leben. Die Langkofelhütte ging durch Enteignung an den italienischen Staat verloren und somit auch das Arbeitsgebiet. Dennoch versammelten sich bereits wenige Tage nach Ende des Krieges einige „Alte Herren” und arbeitslose Kriegsheimkehrer, um die Arbeit für die Akad. Sektion wieder aufzunehmen. Zunächst waren offensichtlich neue Strukturen erforderlich. Man musste den Status einer Studenten- auf den einer Akademikersektion erweitern, so dass man von da an vorwiegend Alte Herren im Ausschuss findet. Zunächst galt es die durch den Ausgang des Krieges gedemütigten Menschen aus ihrer depressiven Stimmung herauszulocken. Darum der Aufruf an die Jugend: ” Kümmert Euch um die Sektion! ….Vergessen wir die letzten vier Jahre……..Lasset uns zu neuem Schaffen erwachen…!” (Mitt. Nr.1/1919). Bald ging es mit den Mitgliederzahlen wieder aufwärts und ein neuer Geist erfasste die Sektion. Nicht nur dass das Hochhalten von „Korpsgeist” und Kameradschaft half, die Enttäuschungen der Niederlage zu überwinden, wurde auch das Bergsteigen als eine Form der Ertüchtigung betrachtet. Man wollte so „…im Kampf mit den Bergen Körper und Geist kräftigen und schulen, auf dass der Tag der großen Abrechnung mit unseren Feinden in uns starke und heimattreue Menschen finde.” (Mitt. Nr.3/1922). Obwohl vermutlich viele Mitglieder von dieser neuen Ideologie erfasst wurden, war der Zusammenhalt unter den Mitgliedern bei weitem nicht mehr so wie vor dem Krieg. Die Arbeitsleistung innerhalb der ASW lag nun in den Händen von einigen wenigen Idealisten, während die übrigen etwa 300 studentischen Mitglieder mehr oder weniger passiv dem Sektionsleben gegenüberstanden. Aus der Sicht der Vorkriegsgeneration war dies ein “beschämender und verwerflicher Zustand”. Es wurde von ihnen auch bemängelt, dass Fröhlichkeit und studentische Lebenslust früherer Jahre verschwunden seien und jeder nur danach trachte, wie er am schnellsten und am meisten Geld verdienen könne. Es waren eben die dramatischen politischen und sozialen Veränderungen, die diese „Bruchstelle” in der Sektionsgeschichte mit sich brachten.
Dennoch gab es im Vergleich zu heute eine große Anzahl von Mitgliedern, die sich idealistisch für die Sektionsgemeinschaft einsetzten. Entweder geleitet durch die Ideale der Vorkriegszeit oder motiviert durch die neuen Parolen. Und so wurde in den 20er-Jahren wieder Großartiges geleistet. Am Erstaunlichsten wohl wieder auf dem Sektor Hüttenbau. Es ist aus heutiger Sicht unfassbar, dass bereits zu Beginn des Jahres1919 – in einer Zeit , da Hunger, Not und Elend das Leben bedrückten – der Entschluss gefasst wurde, als Ersatz für die verlorengegangene Langkofelhütte eine neue „Kletterhütte” im Gosaukamm zu errichten. Vielleicht eine „Trotzreaktion” um zu zeigen, dass man sich nicht unterkriegen lässt. Die Sektion besaß zu dieser Zeit ja bereits die Hofmannshütte, die im Jahre 1910 über Vermittlung von Johann Stüdl der Sektion geschenkt wurde. Eine „Eishütte” also, die aber selbst nach damaligen Maßstäben eher den Komfort einer Notunterkunft hatte und ein Ausbau daher dringend notwendig gewesen wäre. Aber man konzentrierte zunächst alle Kräfte und Mittel auf den Bau der neuen „Felshütte”. Es wurde jeder zur Mitarbeit und zum Spenden aufgerufen und so konnte schon 1922 mit dem Bau begonnen werden. Das Baumaterial und die Einrichtung musste hinaufgetragen werden, entweder von Tragtieren oder am Rücken. Viele freiwillige Arbeitsstunden von jungen und älteren Sektionsmitgliedern trugen dazu bei, dass die neue Hütte 1923 als „Theodor Körner-Hütte” eingeweiht werden konnte.
Mit dieser Leistung würde sich heutzutage eine Sektion für die nächsten Jahrzehnte zufrieden geben. Nicht so die ASW! Bereits ein Jahr nach der Eröffnung der Körnerhütte wurde Arch . W. Luksch, der Planer aller unserer Hütten, mit der Planung einer Schihütte beauftragt. Und bereits 1925 konnte die „Akademikerhütte” in Saalbach-Hinterglemm eröffnet werden. Dem ging eine bereits längere Beziehung zum Saalbacher Tal voraus. Bereits 1904 „entdeckten” einige Sektionsmitglieder die Berge um dieses abgeschiedene Tal als Tourenparadies. Mit dem Bau der Hütte und in der Folge mit der Durchführung von Schikursen und mit dem Angebot an geführten Schitouren begann der Schitourismus an dem heutigen Tummelplatz von Schifahrern aus aller Welt. Auf Betreiben einiger einflussreicher Alter Herrn der ASW wurde übrigens im Jahre 1929 die erste Autobusverbindung nach Saalbach eingerichtet und man erspart sich seither den mehr als vierstündigen Anmarschweg.
Mit der auch wirtschaftlich florierenden Schihütte waren nun finanzielle Mittel und Kapazitäten frei für den Ausbau der Hofmannshütte, der 1926 begonnen wurde und 1930 abgeschlossen werden konnte. Es standen nun 60 Schlafplätze und ein eigener Pächter-Raum zur Verfügung, so dass die Hütte jetzt auch bewirtschaftet werden konnte.
Beim eigentlichen Betätigungsbereich, dem Wandern und Bergsteigen, wurden durch die Gründung einer Jugendgruppe und einer Jungmannschaft neue Impulse gesetzt. Man wollte in der „Jugendwandergruppe für 15- bis 18jährige Obermittelschüler” durch bergsteigerische Betätigung nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bieten, sondern sie auch an die Ziele und Ideale der ASW heranführen. Basis dazu boten wohl die Ideen der Wandervogel-Bewegung, die immer mehr auch die geistige Haltung im Alpenverein beeinflussten. Aus wirtschaftlichen Nöten wuchs die Gruppe zu Beginn der 30er-Jahre rasant an, da es den Eltern immer weniger möglich war, selbst mit ihren Kindern in die Berge zu gehen. So machte es sich die Sektion zur Aufgabe durch Ausrüstungsverleih und Geldzuwendungen die Gruppenfahrten zu unterstützen.
Die Bildung einer Jungmannschaft hingegen war notwendig geworden, da durch den großen Zustrom an Studenten, die an schwierigeren Hochgebirgstouren interessiert waren, eine Gruppe von gut ausgebildeten Spitzenbergsteigern vorhanden sein musste, die auch Führungstouren übernehmen konnten. Diese Gruppe und die aus ihr hervorgegangenen Leistungsbergsteiger bildeten die bergsteigerische Elite der ASW, die in den 30er-Jahren Bergfahrten auf höchstem Niveau durchführten, wie es erst in den Jahren nach 1960 wieder erreicht wurde. Zahlreiche schwierige Erstdurchsteigungen und Erfolge bei Expeditionen in außeralpine Gebiete konnten Sektionsmitglieder auf ihre Fahne heften.
Allerdings führte die Entwicklung des Extrembergsteigens auch zu einer gewissen Entzweiung unter den Sektionsmitgliedern. Nach Ansicht der Vertreter der extremen Richtung sollte die wahre Aufgabe der ASW die Förderung des Leistungsbergsteigens sein. Dies ging einher mit einem ausgeprägten aber nicht klar definierten Sendungsbewusstsein, das irgendwie im Zusammenhang mit Wehrertüchtigung und deutsch-nationalem Gedankengut stand. Das gesellige Beisammensein hatte für sie keine Bedeutung mehr. Im Gegensatz dazu orientierten sich die Alten Herren noch immer an studentischen Bräuchen und den Zielsetzungen der Gründerväter, nämlich das Bergsteigen der akademischen Jugend zu fördern. Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurden jedoch die Möglichkeiten diese Ziele zu verwirklichen abrupt unterbunden und mit dem 2. Weltkrieg und seinem ruinösem Ende wurde die Sektion diesmal sogar an den Rand der Auslöschung des Vereines gebracht.
Der Zusammenbruch der politischen Regime und Ideologien mit dem Ende des 2. Weltkrieges brachte auch den stärksten Bruch in der Entwicklung unserer Sektionsgemeinschaft mit sich. Zunächst gab es rein rechtlich die Sektion überhaupt nicht mehr, da sie ja nach dem Anschluss Österreichs eine Sektion des Deutschen Alpenvereins wurde und dieser ja mit Kriegsende aufgelöst wurde und seiner Hütten und Heime verlustig erklärt wurde. Die „ehemaligen” Mitglieder der ASW waren zu Kriegsende weit verstreut und es dauerte Monate bis einige von ihnen wieder nach Wien zurückkehren konnten. Und so traf man sich in kleinem Freundeskreis gelegentlich wieder zu Ausflügen in die nähere Umgebung und es kreisten dabei auch die Gedanken um die Frage, ob es wohl eine Möglichkeit ur Wiedergeburt der ASW geben könnte.
Schließlich konnte man bis zum Ende des Jahres 1946 – nach der Neugründung eines ÖAV – so viele ehemalige Kameraden zusammentrommeln, dass auch eine Neugründung der Akad. Sektion Wien des ÖAV erfolgen konnte. Es gab nun wieder einen Ausschuss aber kein Sektionslokal, keine Kartei der ehemaligen Mitglieder und keine Hütten. Seine Aufgabe bestand darin, Ausflüge und Bergfahrten zu organisieren, Mitteilungen herauszugeben und vor allem im Bemühen mit Hilfe des Gesamtvereines wieder die alten Rechte eingesetzt zu werden. Im Jahre 1950 war es endlich soweit, dass die Sektion auch wieder in den Besitz ihrer Hütten gelangte. Es waren allerdings nur mehr zwei, da der Stolz der Sektion, die Akademikerhütte, vermutlich durch Brandlegung im Jahre 1940 zerstört worden war. Das vom Feuer verschonte Nebengebäude konnte 1953 als „Notunterkunft” mit 14 Plätzen eröffnet werden und war in der Folge als Schihütterl sehr beliebt.
Teil 3
Verständlicherweise wurde 1945 in dem neuerstandenen Österreich der durch die Haltung vieler Mitglieder während der 1. Republik „politisch belastete” ehemalige Österr. Alpenverein nicht umgehend in seine „alten Rechte” eingesetzt. Es wurde sogar ein Verbot seiner Neugründung angestrebt und so existierte zunächst auch keine Akad. Sektion mehr. Nur wenige ehemalige Mitglieder gab es überhaupt zu dieser Zeit wieder in Wien. Einige von ihnen fanden sich jedoch bald zu Wanderungen in der Umgebung zusammen. Anstatt einander ihr Leid zu klagen über die herrschende Not und die Mühen, die es gab, ein kümmerliches Leben zu fristen, waren bald ihre Gesprächsthemen die schönen Zeiten der gemeinsamen Bergfahrten und die Sorge, ob es jemals wieder eine ASW geben werde. So beschreibt in berührender Weise DI Hans Tatzl diese ersten Zusammenkünfte in der Festschrift “80 Jahre ASW”. Seinen Bemühungen, die ehemaligen Sektionsmitglieder in den folgenden Jahren wieder zu sammeln, ist es überhaupt zu verdanken, dass die Sektion wiedererstehen konnte. Voraussetzung dafür war allerdings auch, dass es im Jahre 1946 dann doch in Wien zur Gründung eines neuen „Österr. Alpenvereins” kam. Dies war die Ermutigung, auch die Akad. Sektion Wien als Zweig des neuen ÖAV neu zu gründen. Über die Beweggründe dieser kleinen Gruppe von Menschen in einer Zeit, in der der Kampf ums Überleben den Alltag beherrschte, sich auch noch den Mühen zu unterziehen, die ASW wieder zum Leben zu erwecken, kann man heute nur Vermutungen anstellen. War es nach den Kriegsjahren die Sehnsucht nach einer zivilen Gemeinschaft von Freunden? War es das Bedürfnis, sich in Gesellschaft von ehemals Gleichgesinnten und nun in vielem vom nationalsozialistischen Regime Enttäuschten und Betrogenen zu befinden, die sich nun politisch heimatlos fühlten? War es das Pflichtgefühl, das ehemals Aufgebaute und Verwaltete weiterzuführen? Jedenfalls muss es eine starke Bindung zur Akad. Sektion gewesen sein, die ihre Wirkung wohl aus den Idealen der Zwischenkriegszeit bezog, um auch die Schwierigkeiten, die sich mit der Sektionsgründung ergaben, auf sich zu nehmen.
Diese lagen zunächst darin, dass der neue ÖAV nicht als Rechtsnachfolger des DAV anerkannt wurde, war auch die neue ASW nicht wieder im Besitz ihrer Hütten und ihres Vereinslokales. Ja sogar der Zugriff auf die alte Mitgliederkartei wurde ihr verwehrt. Ein mühevoller Start also in die neue Zukunft! Als „Vereinsheim” wurde von Dr. Kaltenegger zunächst seine Rechtsanwaltskanzlei zur Verfügung gestellt und nach und nach konnten auch die Adressen früherer Mitglieder zusammengetragen werden. Ein wesentliches Lebenszeichen war aber die rege Beteiligung an den gemeinsamen Ausflügen und Bergfahrten, die unmittelbar nach der Neugründung ausgeschrieben wurden. Bereits im Jahre 1947 fand trotz aller Reisebehinderungen im besetzten Österreich ein Treffen auf der Körner-Hütte statt. Diese war zu diesem Zeitpunkt allerdings aus den oben erwähnten Gründen nicht im Besitz der Sektion. Sie wurde wegen der damals noch ungeklärten Eigentumsverhältnisse kommissarisch verwaltet.
Größere Erfolgsaussichten auf Anerkennung der alten Rechte und Wiederinbesitznahme aller Hütten erhoffte man sich – ebenfalls im Jahre 1946 – mit der Gründung eines „Alpenvereins” in Innsbruck, da der ehemalige DAV seinen Sitz dort gehabt hatte. Damit begann ein jahrelanger Rechtsstreit, der erst 1950 zu Gunsten des Alpenvereins entschieden wurde. Um nun ebenfalls in diese Entscheidung miteinbezogen werden zu können, wurden daraufhin in einem juristischen „Verwirrspiel” alle Sektionen des in Wien gegründeten ÖAV aufgelöst und als künftige Zweige des „Alpenvereins” in Innsbruck neugegründet, der dann in Folge seinen Namen in „Österr. Alpenverein” änderte. Damit war die ASW wieder im Besitz von Hofmannshütte, Körnerhütte und den nach der Brandkatastrophe von 1940 übergebliebenen Nebenräumlichkeiten der Akademiker-Hütte in der Hinterglemm. Einen großen Fortschritt auf dem Weg zur Normalisierung des Vereinslebens konnte die Sektion allerdings schon 1948 verzeichnen. Sie konnte wieder ihr altes Vereinsheim in der Maria-Theresien-Straße beziehen, das trotz der Kriegsereignisse unbeschädigt geblieben war. Somit gelangte die ASW auch wieder in den Besitz der alten Mitgliederkartei, konnte nun gezielter Werbung betreiben und die Anzahl der Mitglieder beträchtlich erhöhen.
Mit der Wiedererlangung der Hütten im Jahre 1950 und dem erfolgten Mitgliederzuwachs waren wohl die Nachkriegswirren und Schwierigkeiten im Wiederaufbau der Sektion zu Ende. Es war dies auch die Zeit, in der man sich in dem neuen Österreich zurechtzufinden begann, in der sich das Alltagsleben normalisiert hatte und man mit etwas Hoffnung in die Zukunft blicken konnte. Auch die Führung der ASW konnte sich nun in ihrer Arbeit wieder mehr auf die Aufgaben und Ziele konzentrieren, die sich der Alpenverein gestellt hatte. Der 1950 neugewählte 1. Vorsitzende Alfred Noske, der schon 1938 – 45 der Sektion vorgestanden war, begann sofort damit, junge, leistungsstarke Bergsteiger zu sammeln, um eine neue „Aktivitas” im Sinne der Zwischenkriegszeit aufzustellen. Diese sollten nicht nur die Träger eines höheren bergsteigerischen Niveaus bei Führungsfahrten und Ausbildung sein, es sollte damit auch ein Beitrag zur Lösung des sich abzeichnenden „ Nachwuchsproblems” geleistet werden. Durch die Kriegsereignisse wurde nämlich die Kontinuität in der Altersstruktur weitgehend zerstört. Gerade die mittlere Altersschichte, die 30- bis 40 jährigen, wurden arg dezimiert. Jene also, die früher den jüngeren Mitgliedern Vorbild und Lehrmeister waren, fehlten weitgehend und es ergab sich dadurch ein besonderes „Generationenproblem”. Ist das gemeinsame Wirken von 20- und 50jährigen schon von vornherein mit natürlichen Schwierigkeiten behaftet, musste es sich zu dieser Zeit durch den extremen Wandel in Haltung und politischem Denken besonders stark auswirken. Diese ersten Versuche die Sektion mit einer starken Bergsteiger-Mannschaft in eine neue Zukunft zu führen, erlitten nach nur wenigen Monaten der Amtszeit von Noske durch seinen Bergsteigertod eine tragische Beeinträchtigung.
Mit der Wahl des damals 35-jährigen Dr. Gottfried Hassfurther zum neuen Vorsitzenden wurde 1951 wohl auch im Sinne Noske‘s ein Signal gesetzt. Es sollte die Leitung wieder von einer jüngeren Generation ausgehen, die allerdings ihre Wurzeln noch in der Zwischenkriegszeit haben und deren Idealismus auf den Werten dieser Zeit basieren sollte. Dr. Hassfurther, aufgewachsen in der Wandervogel-Bewegung, gehörte seit seinen Studentenjahren der Aktivitas der Sektion an und war seit 1950 als Tourenwart tätig. Nach nur einem Jahr in dieser Funktion wurde er nun gleichsam vom Ausschuss zum neuen Vorsitzenden „bestimmt”, nicht ahnend und sich auch nicht wünschend, dass er in Folge 33 Jahre an der Spitze der Sektionsführung stehen würde. Eine Periode, in der die Sektion auf vielen Gebieten neue, glänzende Höhepunkte ihrer Geschichte erlebte.
Als Vorsitzender konnte er sich zunächst auf altbewährte und fleißige Mitarbeiter im Ausschuss stützen. Vor allem wichtig war, dass die Sachgebiete „Säckel” und „Hütten” stets in verlässlichen Händen lagen. Für letzteres war DI Viktor Hinterberger – mit einer kurzen Unterbrechung – seit 1908 (!) verantwortlich. Seinem unermüdlichen Fleiß war es zu verdanken, dass seit 1953 die Hofmannshütte nach einem Erweiterungsbau 125 Bergsteigern Unterkunft bieten konnte. Im gleichen Jahr waren die Überreste der Akademiker-Hütte so weit als Selbstversorger-Hütte adaptiert, dass sie wieder für Schitouren im Schiparadies Saalbach als Stützpunkt dienen konnte.
Schwieriger war es bereits zu dieser Zeit, die Aktivitas zu lenken und Entwicklungen im Zusammenleben zu beeinflussen. Die Gründung einer Jungmannschaft sollte eine Festigung der Gemeinschaft mit sich bringen. Bald machten sich aber Abkapselungstendenzen bemerkbar, so dass wieder eine offenere Gemeinschaft angestrebt werden musste. Dies barg jedoch wieder einen „Durchhaus-Effekt” in sich, der einer gewünschten inneren Verbindung zur Sektion abträglich war. Man wurde auch nicht mehr Mitglied beim Alpenverein, weil man dort seine Ideale verwirklichen konnte. Ganz im Gegenteil! Wir Junge haben es damals als sehr positiv und angenehm empfunden, im Alpenverein einen Verein zu finden der sich strikt von jeder Parteipolitik und Ideologisierung fernhielt. Eine Seltenheit in damaliger Zeit! Man suchte beim Alpenverein zunächst die Möglichkeit zum Wandern, Bergsteigen, Schifahren. Das Gemeinschaftsbildende war dabei das gemeinsame Erleben am Berg. Die innere Bindung entstand eher zu seiner Gruppe als zum Verein. Es gab aber erfreulicherweise auch immer wieder Mitglieder der Aktivitas, die offenbar das Gefühl hatten, dass sie auch der Sektion etwas für ihre schönen Erlebnisse zu verdanken hatten und daher bereit waren, auch etwas in Form von Mitarbeit zurückzugeben. Es waren nur deutlich weniger als in vergangenen Jahrzehnten.
Der wichtigste und erfolgreichste persönliche Beitrag von Dr. Hassfurther für die Sektion war die Gründung einer Jugendgruppe im Jahre 1957, an deren Aufbau und Führung auch seine Frau Lorelotte maßgeblichen Anteil hatte. Unser Vorstandsmitglied Dr. Erich Wetzer – zur Zeit auch einer der Vizepräsidenten des Gesamtvereines – und ich selbst waren von Anfang an mit dabei, sind also „Zeitzeugen” und ein Nachweis dafür wie nachhaltig und wichtig es ist, dass junge Menschen durch das Gemeinschaftserlebnis und die Werte, die vermittelt wurden, sich auch später mit dem Verein verbunden fühlen. Das Ehepaar Hassfurther – von aktivitasnahen Kreisen nur „Chef” und „Chefin” genannt – hat es verstanden, uns in behutsamerweise mit den Idealen ihrer Jugendzeit vertraut zu machen, ohne dabei Völkisches oder Volkstümelndes allzu sehr zu strapazieren. Neben der Ausbildung zu selbständigen Bergsteigern war unsere Gemeinschaft von Inhalten erfüllt, die das Kameradschaftsgefühl ungemein steigerte. Es war für viele nicht nur die Zeit der schönsten Jugenderinnerungen sondern auch der Beginn von Freundschaften für das Leben. Dem Jugendgruppen-Alter entwachsen fand diese Gemeinschaft ihre Fortsetzung in der Gruppe der „Bergkameraden”, die in gemäßigterer Form neben der Jungmannschaft und der Hochgebirgsgruppe in den 60er-Jahren die Aktivitas der Sektion bildete.
Wie tief das Erlebte gewirkt hat, zeigte sich in dem Umstand, dass sich einige aus dieser ersten Jugendgruppe veranlasst gefühlt haben, selber neue Jugendgruppen zu gründen, um das, was sie an Wertvollem erlebt hatten, an die Jüngeren weiterzugeben. Bis zu fünf Gruppen existierten in den 60er-Jahren nebeneinander und es wurden etwa 100 Jugendliche damit erfasst und betreut. Diesbezüglich ein Höhepunkt in der Sektionsgeschichte!
Zu einem neuen Höhepunkt entwickelte sich allmählich auch das Tourenwesen, getragen von Jungmannschaft und später von der neugegründeten HG-Gruppe unter der Leitung von Fritz Grimmlinger und Fred Ozelsberger. Beschleunigt wurde der Trend zu extremen Bergfahrten durch den Zuzug einer Gruppe von Studenten vornehmlich aus Oberösterreich und Salzburg, die im Sektionsheim ihr „zu Hause” gefunden hatten.” Ernste Touren”, die früher nur ausgereiften Alpinisten vorbehalten waren, wurden nun zu Übungstouren am Wochenende als Vorbereitung für die längeren Unternehmungen in den Westalpen. Letztlich führte diese Leistungssteigerung auch zum Wunsch, eine Expedition in ein noch unerschlossenes Gebiet durchzuführen. Das Jahr 1964 brachte schließlich die Verwirklichung dieses Planes mit der Ausrichtung einer „Spitzbergen-Kundfahrt”. Diese gab einer Gruppe von jungen Mitgliedern der HG-Gruppe die Möglichkeit zu 77 Erstersteigungen in einem Gebiet fernab von jeder Zivilisation, völlig auf sich allein und die Hilfe der Kameraden gestellt, ganz im Sinne des alten Pionier- und Entdeckergeistes. Ermöglicht wurde dies auch durch enorme organisatorische Anstrengungen und finanzielle Zuwendungen der Sektionsgemeinschaft. Dr. Hassfurther merkte dazu in der Festschrift „100 Jahre ASW” an, dass er diese Spitzbergen-Kundfahrt als Höhepunkt und Bestätigung seiner Tätigkeit in der Sektion empfunden habe.
Und dies, obwohl eine andere große Leistung der Sektion, die wohl mit noch schwierigeren Begleitumständen verbunden war, etwa zur gleichen Zeit in Angriff genommen worden war: der Neubau unserer Schihütte in der Hinterglemm. Seit 1957 waren mit der Betreuung unserer Hütten, als Nachfolger von DI Hinterberger, die neuen Hüttenwarte Dkfm. Becherstorfer und DI Erich Sulke beauftragt. Neben dem damit verbundenen Arbeitsaufwand kam auf sie mit dem Projekt des Neubaues der Schihütte noch eine ungeheure Mehrbelastung zu. Diskussionen, hitzige Debatten in außerordentlichen Versammlungen, Grundsatzbeschlüsse, Planungen, Umplanungen, Geldbeschaffung, Baudurchführung und endlich Eröffnung eines für damalige Zeiten beachtlichen, schmucken Selbstversorger-Hauses im Jahre 1964. Aber nicht nur wegen seiner Verdienste um den Neubau wurde unser neues Schiheim im Jahre 1983 nach dem Ableben von DI Sulke in „Erich Sulke – Hütte” umbenannt, sondern auch, weil er über viele Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Sachgebieten und Funktionen der Sektion wertvolle Dienste geleistet hatte und weil er, wie Dr. Hassfurther es ausdrückte, über all die Jahre das Referat „Graue Eminenz” innehatte. Er war immer der gute Geist, der ausgleichend bei Gegensätzen wirkte und die Verbindung mit allen ASW-Generationen aufrecht erhalten hat.
Die Tendenz zu extremen Touren wurde in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre deutlich stärker und das bergsteigerische Niveau noch gesteigert. DI Fritz Hintermayer schildert in „100 Jahre ASW” die Situation folgendermaßen: „ Die extremen Kletterer, angeführt von Fritz Grimmlinger, berannten Sommer für Sommer die Westalpen auf schweren Wegen, während sich um Albert Stamm die weniger Wilden scharten……..Einen Höhepunkt erreichten diese Aktivitäten mit gleich zwei Hindukusch-Expeditionen. Die kleinere Gruppe, geführt von Albert Stamm, kam über Pakistan, während die von Fritz Grimmlinger geleitete 7köpfige Mannschaft im afghanischen Wakhan operierte. Beide Gruppen waren sehr erfolgreich und kehrten mit Erstbesteigungen einiger hoher 6000er wohlbehalten zurück.” Die ASW vereinigte zu dieser Zeit eine große Anzahl von Spitzenbergsteigern und gab ihnen die Basis für extreme Leistungen, um die uns viele, größere Sektionen beneideten.
Doch was kam danach? Es wäre nur natürlich, wenn auf eine Zeit des Höhenfluges wieder eine Periode der gemäßigteren Leistungen folgt, ehe es wieder zu neuen Großtaten kommt. Dem war leider nicht so! Es kam zwar zu einem Abflauen der Aktivitäten, es erfolgte aber in den folgenden Jahrzehnten kein neuerlicher Aufschwung zu Spitzenleistungen einer Aktivitas-Mannschaft mehr. Es fand sich keine Gruppierung zusammen, die die Vorteile, die eine Sektion bieten kann, benützt hätte, um ihre hochfliegenden Pläne besser verwirklichen zu können. Die Möglichkeiten, die sich durch die prosperierenden wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse vielen jungen Menschen eröffnet hatten, erforderten keine größere Gemeinschaft mehr für solche Vorhaben. Die Bergfahrten der JM-Mitglieder wurden oft in Kleingruppen durchgeführt. In einer „vollmotorisierten” Gruppe genügt es, sich per Telefon für die Wochenend-Tour einen Platz in einem Auto zu sichern. Zusätzlich zu dieser Zeiterscheinung beeinträchtigte die Fortführung des außerordentlich aktiven Tourenwesens, der Umstand, dass die Studienzeit der ehemaligen Leistungsträger zu Ende ging. Einstieg ins Berufsleben und vor allem das Verlassen von Wien jener Mitglieder, die aus den Bundesländern stammten, bedeutete für die Aktivitas einen argen Aderlass .
Die Tourenwarte der folgenden Jahre konzentrierten sich deshalb wieder mehr auf ein Angebot für den „Normalbergsteiger”. Es gab neben den Wochenend-Führungsfahrten auch weiterhin Kletter- und Eiskurse, ein- und mehrtägige Schitouren und die Aktivitäten wurden sogar auf Rad- und Paddeltouren ausgedehnt. Es gab also nach wie vor eine Aktivitas, nur der Zusammenhalt war vielleicht nicht mehr so fest wie früher, was sich an der geringen Beteiligung an Heimabenden wohl ablesen lässt.
Auch die Führung von Jugendgruppen wurde durch die Trends der Zeit zunehmend schwieriger. Schon in den 60er-Jahren wurden die negativen Auswirkungen einer Konsumgesellschaft spürbar. Angebotenes genießen, aber sich dabei nicht binden. Nachfolge-Jugendführer aus den eigenen Reihen heraus zu finden, wurde immer schwieriger. Auch die Motive der Kinder und Jugendlichen, sich einer Jugendgruppe anzuschließen, wurden geringer. War es „zu unserer Zeit” aus finanziellen Gründen für viele oft die einzige Möglichkeit „hinauszukommen”, an Sommerlagern teilzunehmen oder Schisport zu betreiben, war nun die Konkurrenz durch Reisen und Schiurlaube im Familienverband viel zu stark. Uns hat die Gemeinschaft in der Gruppe Inhalte und ein zweites „zu Hause” vermittelt. Das wurde nun substituiert durch das reichhaltige Freizeitangebot und überdies konnte man so lästige Verpflichtungen, die eine Gemeinschaft mit sich bringt, vermeiden. Dennoch fanden sich immer wieder Bereitwillige, die ein Häuflein Jugendlicher um sich scharen konnten und sie bei gemeinsamen Unternehmungen leiteten.
Dass alle Vereine mit dem gleichen Problem zu kämpfen hatten, konnte die Verantwortlichen der Sektion nicht der Sorge um die Zukunft der Sektion entheben. Ein neuer Aufschwung hat sich erst während der 80er Jahre abgezeichnet. Diese Entwicklung und das weitere Geschehen sollen jedoch Inhalt des vierten Teiles dieser Fortsetzungs-Vereinsgeschichte werden.
Teil 4: Entwicklung seit 1980
Im letzten Teil meiner geschichtlichen Betrachtungen über die vergangenen – inzwischen bereits – 121 Jahre der Akad. Sektion Wien bin ich endlich in der Jetztzeit angekommen. In jener Zeit also, in der auch jüngere Mitglieder das Sektionsgeschehen vielleicht durch eigene Eindrücke und Erinnerungen kennen. Etliche von ihnen haben ohnehin in den letzten Jahrzehnten durch aktive Teilnahme das Sektionsleben selbst mitgestaltet. Trotzdem möchte ich die wesentlichen Ereignisse der letzten 30 Jahre zusammenfassend darstellen, weil sie zum Verständnis der heutigen Situation beitragen können.
Wie im vorangegangenen Bericht ausführlich geschildert, erreichten die Aktivitäten im Jugend- und Jungmannschaftsbereich Ende der 70er Jahre einen besorgniserregenden Tiefpunkt. Die Jugend-Krise hatte damals alle Vereine erfasst und auch die Versuche in der ASW zur Wiederbelebung der Jugendarbeit blieben erfolglos. Da ergab es sich, dass anfangs der 80er-Jahre im Kreise von ehemaligen Jugendgruppen-Mitgliedern der 50er- und 60er-Jahre immer deutlicher der Wunsch geäußert wurde, für ihre Kinder doch gemeinsame Wanderungen zu organisieren. Dank der Bemühungen von Traudl Schröckenfuchs entstand so wieder eine Kindergruppe für 6- bis 12 jährige, die zunächst von den Eltern als Begleiter bei Wanderungen und mehrtägigen Unternehmungen unterstützt wurde. So bildete sich allmählich parallel zur Jugend- auch eine Elterngruppe heraus, die letztlich zum Kern einer neuen Gemeinschaft wurde, die noch heute als „Senioren-Gruppe” existiert und einen bedeutenden Teil der Aktivitas umfasst. Ein wichtiger Schritt zur Sicherung des Neustarts der Jugendarbeit war dann 1983 die Übernahme der Funktion des Jugendwartes durch Dr. Erich Wetzer, der im Jahr darauf auch gleich eine neue Jugendgruppe für Jugendliche ab 12 Jahre gründete. „Capricorni” nannten sie sich und entwickelten sehr bald enorme und vielseitige Aktivitäten. Der Tiefpunkt der 70er-Jahre war damit überwunden und die Aktivitäten und Begeisterung der Jugend ließen für die Zukunft hoffen. Claus Schmidt, der aus dieser Gruppe stammte, ließ sich zum Jugendführer ausbilden und übernahm allmählich selbst die Leitung. Nachdem im Laufe der Jahre etliche Mitglieder der Jugend bereits im studentischen Alter waren, gründete Claus mit ihnen im Jahre 1988 eine Jungmannschafts-Gruppe, die durch zahlreiche Neuzugänge bald eine beachtliche Stärke aufwies. Durch ihren Unternehmungsgeist verbunden mit hohem alpinistischem Leistungsvermögen wurden von ihnen viele beachtliche gemeinsame Fahrten durchgeführt. Die Sektion hatte also wieder eine Jungmannschaft, auf die sie stolz sein konnte und die für die zukünftige Entwicklung des Vereines vielversprechend war. Leider macht sich aber auch eine Abkapselung vom sonstigen Sektionsgeschehen bemerkbar, wie sie schon in den 50er Jahren bei der damaligen Jungmannschaft aufzutreten drohte. Man engagierte sich lieber im Rahmen der AV-Landesjugend, anstatt die ein oder andere Aufgabe im Vereinsvorstand zu übernehmen. Man wollte offenbar lieber unter sich sein. Trotz intensiver Bemühungen konnte niemand, außer Claus Schmidt, für eine Mitarbeit gewonnen werden. Ebenso schmerzlich für die weitere Entwicklung der Sektion war die Tatsache, dass die Gründung und Führung einer neuen Kindergruppe durch einige JM-Mitglieder über einige Jahre hinweg keine Fortsetzung als Jugendgruppe mit sich brachte. Nachdem gegen Ende der 90er-Jahre die meisten Mitglieder dieser Jungmannschaft ihr Studium beendet hatten und zum Teil mit Familiengründung beschäftigt waren, hinterließ die Auflösung dieser Gruppe, was jugendliche Aktivitas und Nachfolge in der Vereinsführung betrifft, eine Lücke, die sich bis heute auswirkt.
Das Jahr 1984 war für die Sektion in zweierlei Hinsicht ein historisches. Zunächst konnte Dr. Hassfurther nach 33 „Dienstjahren” als „Sektions-Chef” endlich einen Nachfolger finden. Univ. Prof. Dr. Dieter Flamm erklärte sich bereit, die Sektion während der nächsten fünf Jahre zu führen. Unser „Alt-Chef” wirkte aber weiterhin im Vorstand mit – zunächst als 3. Vorsitzender, dann als Ehren-Vorsitzender – und war uns bis zu seinem Tod im Jahr 2006 ein wertvoller Ratgeber. Das zweite bemerkenswerte Ereignis in diesem Jahr war die 150 Jahr- Feier der Hofmannshütte. Aus diesem Anlass wurde eine Sonderausgabe unserer Mitteilungen verfasst, die die Geschichte der Hütte und berühmter Bergsteiger der Sektion zum Inhalt hat. Natürlich gab es auch im Angesicht des Großglockners bei herrlichem Wetter ein Hüttenfest, an das sich alle, die dabei waren noch gerne erinnern. Rechtzeitig davor konnten die Sanierungs- und Umbauarbeiten , die sich über 13 Jahre dahingezogen hatten, abgeschlossen werden. Neue 4-Bett-Zimmer steigerten nun den Übernachtungskomfort beträchtlich und eine massive Betonwand zwischen Berg und Hütte sollte die Durchfeuchtung der Innenräume hintanhalten, durch die die Bausubstanz ohnehin bereits massiv gefährdet war.
Noch ein Fest galt es während der „Amtszeit” von Univ.-Prof. Flamm zu feiern: 1987 – 100 Jahre ASW! Aus diesem Anlass wurde das Stiftungsfest im Großen Rathauskeller abgehalten. Mit zahlreichen Ehrengästen, an der Spitze der damalige 1.Vorsitzende des Gesamtvereines, Prof. Louis Oberwalder, der auch die Festansprache gehalten hat. Eine besondere Leistung aus diesem Anlass war die Herausgabe der „Festschrift”. Eine Lektüre, die man jedem, der noch mehr Interesse an der Sektionsgeschichte hat, sehr empfehlen kann.
Als man 1989 mit dem Ansinnen an mich herantrat, den Vorsitz im Sektionsausschuss zu übernehmen, äußerte ich zunächst die Besorgnis, ob ich wohl dieser Aufgabe gewachsen wäre. Unser Alt-Chef Hassfurther beruhigte mich mit der Versicherung, dass man da bloß einmal in der Woche in der Kanzlei vorbeischauen müsse, um die Post zu erledigen, und außer den Vorstands-Sitzungen nur gelegentlich an irgendwelchen Besprechungen teilnehmen müsse. Nach dem Grundsatz, sich nicht zu höheren Aufgaben zu drängen aber sich auch nicht davor zu drücken, wenn sie einem übertragen werden, sagte ich schließlich zu. Es macht auch Freude sich für etwas einzusetzen und Sorge zu tragen, das man für wichtig erachtet. Sehr bald musste ich allerdings erkennen, dass der Arbeitsaufwand doch ein wenig mehr umfasst als ursprünglich angekündigt. Es hatte sich auf diesem Gebiet offenbar in den vorangegangenen Jahren einiges geändert. Heute wird von ehrenamtlich geführten Vereinen nahezu professionelles Arbeiten erwartet. An unsere Hütten werden überdies zunehmend von den Behörden Anforderungen gestellt, wie sie für gastronomische Betriebe in Tallage gelten.
Dies hat uns zuerst in voller Konsequenz bei der Hofmannshütte getroffen. Meinten wir noch bei der 150-Jahr-Feier, dass die Hütte nun für Jahrzehnte saniert wäre, wurde nun, keine 10 Jahre nach Abschluss der letzten Bauarbeiten, behördlicherseits das langbewährte Wasser- und Fäkalienentsorgungssystem in Richtung Pasterze als nicht mehr zeit- und umweltgerecht beurteilt. Ab 1991 wurde mit großem Aufwand an Arbeit und Geld eine dem damaligen Stand der Technik entsprechende Anlage in zweijähriger Bauzeit bei laufendem Hüttenbetrieb eingebaut. Dass durch technische Mängel der Karusseltank der Toilettanlage sehr bald nicht ordnungsgemäß funktionierte und die vorgesehene Kompostierung in dieser Höhenlage nicht die erwartete Verrottung bewirkte, zeigt auch mit welch zusätzlichen Schwierigkeiten heute eine Hütte erhalten und bewirtschaftet werden muss. Doch wenigstens finanziell wurden damals solche Projekte durch die öffentliche Hand kräftig unterstützt. Andernfalls hätten wir alleine diese vorgeschriebenen Sanierungsmaßnahmen nicht finanzieren können.
Dass uns die Hofmannshütte bald noch viel größere Sorgen bereiten würde, konnte man damals nicht ahnen. Im Juli 1999 wurde der Gamsgrubenweg, der einzige Versorgungsweg zur Hütte, wegen massiver Steinschlag-Gefahr behördlich gesperrt. Dadurch musste der Hüttenbetrieb unverzüglich eingestellt werden. Da der Bau eines steinschlagsicheren Zuganges durch die Großglockner-Hochalpenstraßen-AG (GROHAG) in Form eines aufwendigen Tunnelsystems sich über Jahre hinzog, musste die Hütte bis 2003 geschlossen bleiben. Dadurch wurden die Räume über vier Jahre hinweg während der Sommermonate nicht ausreichend durchlüftet, was eine derartige Durchfeuchtung der Bausubstanz mit Schimmelbildung zur Folge hatte, dass eine Wiedereröffnung nicht möglich war. Nach Expertenmeinung hätte der Versuch einer Sanierung keinen nachhaltigen Erfolg gezeitigt. Eine Katastrophe für eine kleine Sektion, die nicht einmal zur Gänze die Geldmittel für einen Abbruch der Hütte aufbringen könnte.
Erfreulicherweise wurde zunächst vom Gesamtverein und in Folge auch von der GROHAG und politischen Stellen des Landes Kärnten die besondere Bedeutung und Wichtigkeit dieses Hüttenstandortes an einem der schönsten Aussichtsplätze der Ostalpen erkannt. Nach zahlreichen und zähen Verhandlungen, die von Verwaltungsspitzen des Gesamtvereines geführt wurden, zeichnet sich nun – 9 Jahre nach Schließung der Hütte – eine Finanzierungslösung ab, an der der ÖAV, das Land Kärnten und die GROHAG beteiligt sein werden. Wir werden natürlich auch unser Schärflein dazu beitragen. Sollte durch schriftliche Festlegungen während der nächsten Monate die Finanzierung garantiert werden, steht dem Beginn eines Neubaues der Hofmannshütte nichts mehr im Wege. Vielleicht kann im Jahre 2012 ein Hüttenfest in das Programm zu den Feiern „125 Jahre ASW” aufgenommen werden. Solche Visionen motivieren zumindest.
Nachdem die Pionier und Erschließungszeiten in den Alpen längst vorüber sind, gehört die Erhaltung des Wegenetzes und der Hütten heutzutage zu den wesentlichen Aufgaben eines jeden alpinen Vereines. Der Adaptierung der Hütten an die aktuellen Erfordernisse gilt dabei eine besondere Beachtung. So war die Erweiterung der Körner-Hütte in den Jahren 1985/86 eine längst notwendige Maßnahme. Das bisherige Platzangebot der Hütte, die ja ursprünglich als nicht öffentlich zugängliche Sektionshütte konzipiert war, war dem Besucheransturm nicht mehr gewachsen. Nun verfügt sie über 2 Gasträume , 3 Zimmerchen , 30 Lager und eigene Räumlichkeiten für den Pächter. Trotz des Zubaues konnte der Charakter der Hütte als kleine, gemütliche Bergsteigerunterkunft erhalten werden. Für die dazu passende heimelige Wohlfühl-Atmosphäre sorgte Frau Maria Hirscher und ihr Team 16 Jahre lang (1981 – 1996). Ihr folgte ab 1997 das Ehepaar Rettenegger als Pächter nach. Dorli ist inzwischen weithin für ihre gute Küche bekannt, während Blas als Mann von Tatkraft und Eigeninitiative auf andere Weise die Attraktivität der Hütte steigern konnte. Flugs wurden Bäume gefällt, um zunächst die Sicht auf die Bischofsmütze wieder freizugeben und um dann damit eine Sitz- und Aussichtsterrasse zu errichten. Ihr Schwung und ihre Begeisterung für die Bewirtschaftung wurde auch nicht eingebremst durch das seit 1991 drohende Schreckgespenst in Gestalt einer drohenden Großbaustelle. Ebenso wie bei der Hofmannshütte wurde von den Behörden eine den Vorschriften entsprechende Entsorgung von Abwässern und Fäkalien verlangt, sowie eine Anlage, die dafür sorgen sollte, dass das Koch- und Trinkwasser in Hinkunft den „Reinheitsgeboten” entspricht. Hinhaltendes Verhandeln, Planen und Umplanen bewirkte, dass dieses für die kleine Hütte gewaltige Bauvorhaben erst im Jahre 2001 durchgeführt werden musste. Eine riesige Kaverne wurde aus dem Fels gesprengt, um die einzubauenden Kessel, Wassertanks , Pumpen und Reinigungsanlagen möglichst gut „verstecken” zu können. Die Fertigbauteile für die Errichtung der Toiletteanlagen wurden per Hubschrauber eingeflogen und so konnten die Bauarbeiten noch im gleichen Jahr abgeschlossen werden. Der Hüttenbetrieb wurde währenddessen nahezu ohne Einbußen aufrechterhalten. Hatten wir uns anfangs gegen die Durchführung dieser vorgeschriebenen Baumaßnahme auch gesträubt, so sind wir heute froh, dass die Hütte dadurch den Mindestanforderungen auf dem Gebiete von Sanitäranlagen entspricht. Überdies fügt sich das neuerrichtete Nebengebäude harmonisch in den Hüttenplatz ein. Dass dies alles so gut gelungen ist, verdanken wir vor allem unserem Mitglied und „Haustechniker” DI Rainer Kschwendt, der schon wie bei der Hofmannshütte für die Behördenwege, die Planung und für die Bauaufsicht verantwortlich war.
Über unsere Erich-Sulke-Hütte in der Hinterglemm gibt es nichts Besonderes zu berichten. Ein Talstützpunkt, der zur Schisaison gut ausgelastet ist, ja zu Ferienzeiten gut doppelt so groß sein könnte, aber im Sommer leider kaum genützt wird. Anfangs der 60er-Jahre als Selbstversorger-Hütte geplant und gebaut entspricht die Hütte durch die rasante Entwicklung der Tourismus-Industrie nicht mehr ganz den Anforderungen unserer Zeit. Heute würde man eine Unterkunft dieser Art, wenn überhaupt, anders konzipieren. Aber sie hat ihr Publikum, kann sich selbst erhalten, und bereitet uns keine Sorgen und Probleme.
Die Betrachtungen über das Sektionsgeschehen der vergangenen 30 Jahre haben inzwischen fast das Format eines Hüttenberichtes angenommen. Das liegt in erster Linie daran, dass die Verwaltung der Hütten wohl zu den wichtigsten Aufgaben einer Vereinsführung gehört, um das von den Altvorderen erworbene Gut auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Entscheidungen auf diesem Gebiet können das Wohl und Wehe einer Sektion bestimmen.
Selbstredend wäre ein Verein, der hauptsächlich Hütten verwaltet und überwiegend Kartei-Mitglieder betreut, ein „toter” Verein ohne eigentliches Leben. Dem ist bei uns erfreulicherweise nicht so. Ganz im Gegenteil! Wir sind eine sehr lebendige Sektion, was an den vielen gemeinsamen Unternehmungen und Veranstaltungen erkennbar ist. Bei Durchsicht der Mitteilungen der letzten 25 Jahre fällt sogar auf, dass das Angebot reichhaltiger und vielfältiger geworden ist. Im Winter ist es vor allem die Vielzahl an Tages-Schitouren, die ihr Stammpublikum haben. Das Sommerprogramm enthält nun neben dem traditionellen Kletterkurs und Wanderungen z.B. auch Rad- und Mountainbiketouren sowie Paddelunternehmungen. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmer ist allerdings gegenüber früher deutlich gestiegen. Daher fehlen meist im Programm die vor Jahren noch häufig angebotenen „wilden Touren”. Bei einer Schar von Mitgliedern besteht aber nach wie vor der Drang nach steilem Fels und so formierten sie sich neuerdings zur Gruppe der „Felspanther” und halten damit die Klettertradition der Sektion hoch. Nachdem seit 12 Jahren eine „Dolomitenwoche” als Sommerfahrt angeboten wird, zu der sich manchmal mehr als 30 Teilnehmer eingefunden haben. Dadurch hat sich ein Mitgliederkreis herausgebildet, der zueinander in enger Beziehung steht, und in der Gruppe der „Dolomitenfreunde” zusammengefasst ist. Es gibt aber auch einen ASW-Chor und eine Gruppe, die regelmäßig gemeinsam Paddel-Touren unternimmt. Man könnte aber auch eine Taucher-Gruppe bilden, da auch schon gemeinsame Tauchreisen im Rahmen der Sektion organisiert wurden. Rechnet man auch noch jene Mitglieder dazu, die bevorzugt an den „gesellschaftlichen Ereignissen” wie Martini-Gansl-Wanderung oder Advent-Wanderung teilnehmen, dann umfasst die Aktivitas etwa 100 Mitglieder. Ein guter Prozentsatz im Vergleich zur Gesamtgröße des Vereins und ein deutliches “Lebenszeichen”.
Trotzdem ist es schwer aus diesem Kreis, der sich durch Mittun doch irgendwie mit der Sektion verbunden fühlt, neue Mitarbeiter im Vereinsvorstand zu finden. Manche Vorstandsmitglieder harren schon Jahrzehnte in ihrer Funktion aus und im Hinblick auf die Zukunft des Vereines wäre eine schrittweise Verjüngung dringend angezeigt. Dies sind die aktuellen Sorgen. Allerdings zeigt sich auch hier wieder ein Hoffnungsschimmer. Es gibt nun wieder Kindergruppen in der ASW und seit jüngster Zeit eine Gruppe für Jugend ab 21 Jahren. Die Zeit ist noch zu kurz, um abschätzen zu können, wie sich das für die Vereinszukunft auswirken wird. Aber immerhin darf man hoffen, dass bis zur 125-Jahr-Feier jüngere Mitglieder nachdrängen, um dann am Vereinsgeschick für die nächsten 25 Jahre mitzuwirken.
