Eine ganze Schar Bergfieber-KletterInnen suchten am letzten Mai-Wochenende das Raue im Kärntner Süden: Die Granitfelsen des Maltatals.

von Bibiane Kaufmann

Irgendwo hinter dem kleinwüchsigen Pony eines Kärntner Campingplatzes beginnt eines der schönsten Granit-Klettergebiete Österreichs: Das Maltatal. Fast schon aufdringlich kracht einem dort die Natur in unzähligen Wasserfällen aus den Felswänden entgegen. Um sie in Zaum zu halten steht, durch das Tal hindurch am Ende der 14,4 km langen Malta-Hochalmstraße, die höchste Staumauer Österreichs: Auf 1.900 m zieht die Kölnbreitsperre noch einmal 200m in die Höhe, drückt dahinter Kärntens tiefsten Bergsee fest in die spektakuläre Kulisse und lässt sich dabei von gemütlichen Panoramawegen und Aussichtsplattformen umzingeln.

Man kann sich das Ganze aber von noch weiter oben anschauen: Auf dem Weg zum Großen Hafner etwa, mit 3076m einem der östlichsten Dreitausender, leicht vergletschert. Oder in einer der schönen Mehrseillängenrouten im Langkar (3a bis 7b) oder den sonnigen Seenplatten (4er und 5er Routen), die die tolle Szenerie überblicken lassen, wenn man nicht gerade mit dem eigenen Seilsalat beschäftigt ist.

17 KletterInnen sind schließlich Andreas Wiederins Einladung zum Klettertrip ins Kärntner Idyll gefolgt. Entsprechend lebhaft waren jeden Abend die Diskussionen bei Pizza und Apfelstrudel darüber, was das unbeständige Wetter und der Fels am nächsten Tag für Optionen bereit halten. Man hätt‘ ja gern den einen Körperteil dort hingeschickt und den anderen da. Eleo und David brachten gleich Körperteile mit, die schon im Vorfeld in eine andere Richtung wollten als sie selbst (Kreuzbandriss und Fußverletzung). Und traten den Beweis an, dass man auch mit Metallgestell und die dicken Bandagen noch klettern kann. Sabine sammelte einen Trupp für den Fallbachklettersteig zusammen, der mit Schwierigkeitsgrad E und der Lage direkt am Wasserfall für ordentliche Unterhaltung sorgt. Mit der Kreuzwand ist einer der schönsten Klettergebiete quasi nur einen Mastwurf vom Zeltplatz entfernt; Am Lodron Block wurde direkt am rauschenden Wasser geklettert, an der Lackenkopfwand unter einem Überhang, der das eigene Konzept von unten und oben auf den Kopf stellte. An den Seeplatten machten einige ihre erste Mehrseillängentour (5.Grad), während einige andere direkt auf der gegenüberliegenden Talseite in den alpinen Sportkletterrouten des Langkars  bis 7+ unterwegs waren. Für Samstag fand sich rund um Hermann und Alex eine Gruppe Fußvolk für 1600 Höhenmeter auf den Hafner (3076m). Mit der 3360m hohen Hochalmspitze oder dem 3252m hohen Ankogel gäbe es noch weitere spannende Hochtourenziele. Die Boulderer hingegen strapazierten an Felsblöcken bis Schwierigkeitsgrad FB 6c mehr die Finger als die Füße. Das Schöne an dem Trip war die Neugier, mit der alle das Gebiet erkundeten und am Abend auf der kleinen Terrasse des Mobile Homes alle Tagesziele zusammentrugen.

Seit dem Erscheinen des gleichnamigen Kletterführers 2015 entwickelt sich das Maltatal zum kleinen Kletter-El-Dorado. Der Alpenverein hat durch die Sanierung des größten Klettergartens wesentlich dazu beigetragen und engagiert sich vor Ort in den Vereinbarungen mit den Grundbesitzern. Wenn die Sonne den eigenen Schatten voranklettern lässt, baumeln mittlerweile an allen Wänden bunte Kletterer und glänzen auf den Parkplätzen die Mini-Vans.

Uns wundert das nicht, das Maltatal hat Eindruck hinterlassen und sieht uns wieder. Und ist die schönste Route einmal besetzt, kann man immer noch bei dem kleinwüchsigen Pony am Campingplatz vorbeischauen…

 

Klettern: 3000 Sportkletterrouten in allen Schwierigkeitsgraden, gut mit Bohrhaken abgesichert / 80 Mehrseillängenrouten / 150 Boulderprobleme / Günstiger und schöner Campingplatz in Malta / Kletter- & Boulderführer Maltatal (Schaar, Panico 2015)

Wandern: Kölnbreitsperre – Osnabrücker Hütte (ca 2 Stunden – mit Rückweg ca 3,5 Stunden) / Gmündner Hütte –  Kattowitzer Hütte (ca 2,5 Stunden, leicht) – Großer Hafner (noch einmal ca 2,5, Stunden, schwer, teils vergletschert) – mit Rückweg ca 7 Stunden

Wundern: Ein Wasserfall kann rein auf die Dezibel bezogen denselben Lärm machen wie lauter Autobahnverkehr oder eine Kettensäge. Auch die Frequenzbereiche können ähnlich sein. Das eine entspannt, das Andere hält man kaum aus. Woran liegt’s? (Zum Nachprüfen haltet das Ohr von der Kettensäge fern ;))